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Queer im Gespräch: Mission TRANS* – Trans* Sichtbarkeit in Stuttgart

Fa. Gasihbaum UG (Haftungsbeschränkt)
2025-11-20 15:01:00 / Queer im Gespräch / Kommentare 0
Queer im Gespräch
Goldener Schmetterling

„Queer im Gespräch“ ist unsere Interviewreihe mit Menschen und Organisationen, die die LGBTIQ*-Community bewegen – von CSD-Orga über Aktivist*innen bis hin zu spezialisierten Vereinen.

Diesmal sprechen wir mit Mission TRANS* e.V. aus der Region Stuttgart. Der Verein vernetzt trans* und nicht-binäre Menschen, organisiert Community-Treffs wie das Trans*Café, größere Veranstaltungen wie den Trans*Pride Stuttgart und setzt sich queerpolitisch für Selbstbestimmung und Gleichstellung ein.

Direkt zum Interview Mission TRANS* unterstützen

Mission TRANS* auf einen Blick

  • Sitz: Region Stuttgart
  • Schwerpunkte: Vernetzung von trans* und nicht-binären Menschen, Selbsthilfegruppen, Trans*Café, Trans*Pride Stuttgart, Fachtag Trans*, TDoV und TDoR
  • Struktur: Gemeinnütziger Verein mit Ehrenamt und einer Koordinationsstelle Trans* Stuttgart (40%-Stelle)
  • Ziel: Toleranz, Chancengleichheit und Annahme für trans* Menschen stärken und ihre Themen in Öffentlichkeit, Politik und Gesellschaft sichtbar machen
Vorstellung von Mission TRANS*
Regenbogen-Online:

Für alle, die euch vielleicht noch nicht kennen: Könnt ihr Mission TRANS* kurz vorstellen? Wer seid ihr und wofür steht ihr?

Mission TRANS*:

Mission TRANS* e.V. ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in der Region Stuttgart, der sich für die Lebenssituation von trans* und nicht-binären Menschen einsetzt. Wir vernetzen Selbsthilfegruppen, organisieren regelmäßige Community-Treffs wie das monatliche Trans*Café und größere öffentliche Veranstaltungen wie den Trans*Pride Stuttgart oder Fachtage zur Sichtbarkeit und Gleichstellung.

Entwicklung und Ziele des Vereins
Regenbogen-Online:

Wie hat sich Mission TRANS* seit der Gründung entwickelt – und was ist euer zentrales Ziel heute?

Mission TRANS*:

Ursprünglich haben wir uns als lose Organisation aus Selbsthilfe- und Jugendgruppen rund um das Thema trans* zusammengefunden, um die Sichtbarkeit von trans* Menschen beim CSD Stuttgart 2019 zu stärken. Gleichzeitig waren wir von Anfang an an der Organisation des ersten Trans*Pride Stuttgart beteiligt – damals war Projekt 100% MENSCH noch Hauptträger.

Ab 2022 haben wir den Trans*Pride Stuttgart dann federführend organisiert und in diesem Zuge den Verein Mission TRANS* e.V. gegründet. Hinzu kamen die Übernahme der Veranstaltungsorganisation für den Trans Day of Visibility (TDoV) und den Trans Day of Remembrance (TDoR). Seit 2024 organisieren wir außerdem den Fachtag Trans* Stuttgart.

Weil all diese Aufgaben ehrenamtlich nicht mehr zu schaffen waren, konnten wir mit Hilfe und Förderung der Stadt Stuttgart 2024 eine 40%-Koordinationsstelle Trans* Stuttgart einrichten. Zusätzlich organisieren wir ein monatliches Trans*Café, eine Online-Selbsthilfegruppe für trans* Frauen und bauen gemeinsam mit dem FFGZ Stuttgart eine Gruppe für nicht-binäre Menschen auf.

Unser zentrales Ziel ist es, Toleranz, Chancengleichheit und Annahme für trans* Menschen zu fördern und ihre Themen in Öffentlichkeit, Politik und Gesellschaft präsent zu machen.

Bewertung des Selbstbestimmungsgesetzes
Regenbogen-Online:

Das Selbstbestimmungsgesetz ist seit 2024 in Kraft – wie bewertet ihr die Veränderungen und welche Hürden bleiben bestehen?

Mission TRANS*:

Insgesamt bewerten wir das Gesetz als sehr positiv und als notwendigen Schritt, den die Bundesregierung gehen musste. Es erleichtert vielen Menschen den rechtlichen Weg zu ihrem richtigen Namen und Geschlechtseintrag.

Gleichzeitig gibt es im Alltag Hürden, zum Beispiel bei Namenskonventionen – da erleben wir Probleme, die es in dieser Form beim Transsexuellengesetz nicht gab.

Hinzu kommt, dass das Selbstbestimmungsgesetz vor allem den rechtlichen Rahmen rund um Name und Geschlechtseintrag regelt. Was weiterhin fehlt, ist eine klare gesetzliche Grundlage für unsere medizinische Versorgung. Genau die wäre aber entscheidend, um Versorgung zu sichern und Diskriminierung abzubauen.

Politik, Rechtsruck und trans*feindliche Narrative
Regenbogen-Online:

Welche politischen oder gesellschaftlichen Entwicklungen beeinflussen eure Arbeit aktuell am stärksten? Und wie begegnet ihr trans*feindlichen Tendenzen in Medien, Politik oder Gesellschaft?

Mission TRANS*:

Ganz klar der Rechtsruck – und die ständige Verbreitung trans*feindlicher Narrative durch die AfD und andere rechts-konservative Parteien und Organisationen. Diese Diskurse schlagen sich direkt im Alltag von trans* Menschen nieder und beeinflussen unsere Arbeit sehr konkret.

Unser Ansatz ist im ersten Schritt nie konfrontativ, sondern informativ. Häufig steckt hinter bestimmten Haltungen Unwissen oder Unsicherheit. Wenn wir merken, dass Menschen offen sind, nutzen wir diese Gespräche für Aufklärung.

Wenn sich trotz Informationsangebot nichts verändert, schauen wir genauer hin: Geht es nur um Kommentare unter Social-Media-Posts, greifen wir oft das Motto „Don’t feed the troll“ auf. In persönlichen Gesprächen brechen wir diese ab, wenn klar ist, dass da kein echtes Interesse am Zuhören oder Dazulernen besteht.

Herausforderungen im Alltag
Regenbogen-Online:

Welche Herausforderungen begegnen euch im Alltag – zum Beispiel bei Finanzierung, Sichtbarkeit oder Akzeptanz? Und wo erlebt ihr Unterstützung?

Mission TRANS*:

Unterstützung erleben wir zum Beispiel auf kommunaler Ebene – etwa durch die Förderung der Koordinationsstelle Trans* Stuttgart. Gleichzeitig bleibt auf Bundesebene viel offen, vor allem was eine rechtlich abgesicherte medizinische Versorgung angeht.

Ein großes Thema sind außerdem die gedeckelten Kassensitze für Psychotherapeut*innen und Psycholog*innen. Es gibt viel zu wenige Plätze, und Wartezeiten von sechs bis zwölf Monaten sind keine Seltenheit. Für Menschen, die teilweise zu Therapie gezwungen werden, ist das extrem belastend.

Die größte Herausforderung ist aktuell die Unsicherheit der weiteren Finanzierung der Koordinationsstelle Trans*. Davon hängt auch ab, ob wir unsere Veranstaltungen ab 2026 noch auf dem bisherigen Niveau durchführen können.

Community-Gefühl & Blick nach vorne
Regenbogen-Online:

Wie reagiert eure Community auf die aktuellen politischen Debatten – eher mit Hoffnung, Sorge oder Wut?

Und was wünscht ihr euch von Politik und Gesellschaft, um die Lebensrealität von trans* und nicht-binären Menschen zu verbessern? Welche Vision habt ihr für Mission TRANS*?

Mission TRANS*:

Es ist eine Mischung aus allem. Grundstimmung sind eher Sorge und Wut – gerade mit Blick auf den Rechtsruck und die Debatten um trans* Rechte. Hoffnung entsteht, wenn wir positive Entwicklungen aus anderen Ländern mitbekommen, zum Beispiel Wahlergebnisse, die klar gegen queerfeindliche Politik stehen.

Wir wünschen uns eine geregelte medizinische Versorgung auf Basis des ICD-11, damit auch nicht-binäre Menschen nicht länger ausgeschlossen werden. Wichtig wäre außerdem, geschlechts- angleichende Maßnahmen von starren Therapiezeiten und Therapiepflichten zu entkoppeln.

Unsere Vision ist, die aktuellen härteren Zeiten gut zu überstehen – und dass die gesamte queere Community daraus gestärkt hervorgeht und wieder enger zusammenwächst.

So kannst du Mission TRANS* unterstützen

Mission TRANS* e.V. lebt von Ehrenamt, Community-Power – und von Menschen, die ihre Arbeit finanziell möglich machen. Wenn du ihre Arbeit für trans* und nicht-binäre Menschen in Stuttgart unterstützen möchtest, kannst du spenden:

Mehr Infos zu Mission TRANS* findest du auf mission-trans.de .


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